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Expert Advisors

Ein Expert Advisor oder auch EA ist ein Programm welches für bzw. in der Handelsplattform MetaTrader 4 geschrieben wurde.

Grundsätzlich kann jeder Anwender seine eigenen EAs entwickeln, die dann nach der programmierten Tradingstrategie - je nach Einstellung auch vollautomatisch - handeln. Es gibt jedoch auch eine Vielzahl von Expert Advisors, die kostenlos im Internet angeboten und in diversen Foren diskutiert und getestet werden. Hier gilt oft noch der "Open Source" Gedanke, das heißt, der Programmiercode wird offen gelegt und kann von jedem Trader verwendet und nach belieben modifiziert werden.

Im Gegensatz dazu stellen kommerziell vermarktete Expert Advisors in der Regel in sich geschlossene Systeme dar, wodurch der Programmcode für den Trader nicht eingesehen werden kann. In diesen Fällen muß sich der Käufer auf die Angaben des Verkäufers zum programmierten Handelssystem verlassen, insoweit dieser überhaupt Details bekannt gibt. Oft wird die zur Anwendung kommende Strategie nur grob umrissen und nicht detailliert erläutert um Nachahmungen (Scam) zu vermeiden. Umso wichtiger ist es, sich vor dem Kauf genau über den in Frage kommenden Expert Advisors zu informieren und bei neuen EAs abzuwarten, bis erste Erfahrungsberichte und Live Ergebnisse verfügbar sind.

Viele Anbieter von Expert Advisors sind zwischenzeitlich dazu übergegangen, den Programmcode ihrer EAs stärker zu schützen. Diese EAs erfordern im einfachsten Fall die Eingabe einer Registriernummer (häufig die Nummer des Zahlungsbelegs), manchmal aber auch die Registrierung des Handelskontos auf der Website des Anbieters oder aber auch die Installation von zusätzlichen Programmen wie z.B. Forex Code Guard.

Grundsätzlich sollte man vor Einsatz eines Expert Advisors dessen Eingabeparameter und Handelsstrategie verstanden haben, egal ob es sich um eine Kaufversion oder einen im Internet frei erhältlichen EA handelt.

Es empfiehlt sich in jedem Fall den EA nicht nur einem ausgiebigem Backtesting zu unterziehen sondern ihn zusätzlich über einen längeren Zeitraum auf einem Demo Account zu testen, auch wenn die Ergebnisse häufig nicht ohne weiteres auf einen Live Account übertragen werden können.

Um das Potential automatisch handelnder Expert Advisors voll zu nutzen, sollte der Betrieb auf einem Virtual Private Server in Erwägung gezogen werden.

Risk-Reward-Ratio

Die Risk-Reward-Ratio ermöglicht es, die Risikoneigung eines Expert Advisors zu beurteilen. Ein Expert Advisor, der mit einem Take Profit Limit von 5 Pips und einem Stop Loss Limit von 40 Pips arbeitet, hat eine Risk-Reward-Ratio von 8:1 und benötigt damit eine Trefferquote von mindestens 89% um langfristig profitabel zu sein.

Einige der am Markt angebotenen EAs - insbesondere Scalper - weisen Risk-Reward-Ratios von 15:1 und mehr auf, was auf eine eher risikofreudige Handelsstrategie hindeutet. Eine hohe Risk-Reward-Ratio bedeutet aber nicht per se, daß der jeweilige EA keine guten Ergebnisse bringen kann. Ein Expert Advisor mit einer Trefferquote von 95% wird auch bei einer Risk-Reward-Ratio von 15:1 Gewinne machen, sollte die Trefferquote jedoch nur geringfügig - zum Beispiel aufgrund von Marktveränderungen - auf 93% fallen, produziert der EA bereits Verluste.

Viele der aktuellen Expert Advisor verfügen zusätzlich über ein aktives Risikomanagement, welches offene Positionen permanent überwacht und bei Bedarf bereits vor Erreichen des Stop Loss Limits schließt, wodurch die tatsächliche Risk-Reward-Ratio teilweise deutlich reduziert wird.

Risk per Trade

Die meisten Expert Advisors erlauben die Eingabe eines maximalen Risikos, welches mit einem einzelnen Trade nicht überschritten werden soll, die Berechnungsmethoden weichen jedoch teilweise stark voneinander ab. Im Basisansatz wird der angegebene Prozentsatz lediglich zum aktuellen Guthaben ins Verhältnis gesetzt, was das folgende Beispiel verdeutlichen soll:

Risk: 10%
Guthaben: EUR 1.000
Hebel: 500:1
Währungspaar: EUR/USD
Kurs: 1,50

Ein Lot hat in diesem Fall einen Wert von EUR 100.000, bei einem Hebel von 500:1 wird somit eine Margin von EUR 200 benötigt, um dieses Lot zu Handeln. Wenn nun 10% des Guthabens von EUR 1.000 - mithin EUR 100 - riskiert werden sollen, würde der EA 0,5 Lots handeln. Selbst wenn der EA offene Geschäfte berücksichtigt und an Stelle des Guthabens auf die noch verfügbare Margin abstellt, ist dieser Ansatz sehr gefährlich, da bei einer angemessenen Risikobetrachtung das Stop Loss Limit zwingend zu beachten ist.

Bei 0,5 Lots EUR/USD hat ein Pip einen Gegenwert von USD 5. Würde dieser Expert Advisor mit einem Stop Loss Limit von 300 Pips arbeiten, ergäbe sich daraus für diesen einen Trade ein maximaler Verlust von USD 1.500 - mit anderen Worten - der Account wäre ausgelöscht.

Wird das Stop Loss Limit hingegen berücksichtigt, ändert sich die Berechnung wie folgt: Bei 1,0 Lot EUR/USD entspricht 1 Pip USD 10 und das Verlustpotential bei einem Stop Loss Limit von 300 Pips somit USD 3.000 bzw. EUR 2.000. Da nach wie vor lediglich EUR 100 riskiert werden sollen, ergibt sich eine Ordergröße von 0,05 Lots.

Expert Advisors, MetaTrader 4 Installationen und Accounts

Theoretisch ist es möglich, eine unbegrenzte Anzahl von Expert Advisors auf einer MetaTrader 4 Installation zu betreiben. Aus diesem Grund verfügen nahezu alle EAs über eine sogenannte Magic Number, über die der einzelne Expoert Advisor "seine" Orders monitoren kann. In der Regel ist es erforderlich, für jeden Chart eine eigene Magic Number zu vergeben, insbesondere auch dann, wenn der EA ein Währungspaar auf mehreren Charts gleichzeitig handeln soll - z.B. um verschiedene Einstellungen zu testen. Einige der moderneren EAs sind allerdings in der Lage, die Orders für die einzelnen Währungspaare automatisch auseinander zu halten, hier ist eine eigene Magic Number nur dann erforderlich, wenn tatsächlich zwei Charts eines Währungspaares verwendet werden sollen.

Aufgrund des technischen Designs ist MetaTrader 4 nicht in der Lage, mehrere Orders gleichzeitig zu verarbeiten. Es kann daher vorkommen, daß - wenn mehrere EAs auf jeweils mehreren Charts und möglicherweise sogar mit mehreren Handelsstrategien je Chart aktiv sind - zwei oder auch mehr Orders gleichzeitig beim sogenannten Trade Contex ankommen. In diesem Fall wird nur die erste Order ausgeführt, eine Warteliste oder ähnliches gibt es nicht. Ob die abgewiesenen Orders zu einem späteren Zeitpunkt erneut beauftragt werden, hängt von der Programmierung des jeweiligen auslösenden Expert Advisor ab. Die Auswirkungen dieser Problematik können reduziert werden, indem MetaTrader 4 mehrmals installiert oder eine bestehende Installation kopiert wird. Es ist dann möglich, sich von jeder dieser Installationen in ein und denselben Account einzuloggen und die Charts gleichmäßig auf die Installationen zu verteilen.

Ein weiterer Punkt, der beim Betrieb mehrerer Expert Advisors auf einem Account zu berücksichtigen ist, ist das Kontoguthaben bzw. die Margin. Einzelne EAs berücksichtigen im Rahmen ihres Money Management in der Regel das verfügbare Kontoguthaben, aber nicht das Verhalten anderer Expert Advisors. Während für einen EA mit 4 Handelsstrategien ein Risk per Trade von 5% ggf. noch akzeptabel sein kann, sieht das bei 3 EAs, die mit insgesamt 15 Handelsstrategien auf demselben Account aktiv sind, schon anders aus - hier kumuliert sich das Gesamtrisiko dann nämlich bereits auf 75%. Es kann somit vorkommen, daß aufgrund einer großen Anzahl offener Orders, die jede für sich genommen absolut im Rahmen liegen, die Margin vollständig aufgebraucht wird, was dann wiederum die Zwangsschließung einzelner Positionen durch den Broker auslösen kann.

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